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Der Sport der DDR auf der Grundlage von Betriebssportgemeinschaften

Am 3. April 1950 beschließt der Deutsche Sportausschuss auf der Grundlage des gerade verabschiedeten Jugendgesetzes der Volkskammer mit konkreten Maßnahmen zur staatlichen Förderung des Sports: „Die Reorganisation des Sports in den volkseigenen und ihnen gleichgestellten Betrieben auf Produktionsbasis“.
Damit entstanden neue Strukturen und Unterstellungen der Sportvereine, zum einen durch Neugründungen aber hauptsächlich durch Umbenennung der Vereine. Zum gleichen Zeitraum wurde festgelegt, dass der Turn- und Schwimmunterricht an allen Schulen aufzunehmen ist. So wurde aus der „Einigkeit Hescho“ von 1949 die BSG „Bhemie“ 1950/51 und schließlich 1954 die BSG „Motor" Hermsdorf, aus der „Sportgemeinschaft Fortschritt" Rothenstein wurde 1955 die BSG „Traktor Rothenstein“ und in Eisenberg wurde aus der BSG „Chemie" Eisenberg 1949 dann 1953 die BSG „Stahl" Eisenberg um 1976 beim Wechsel des Trägerbetriebes erneut den namen zu wechseln - BSG „Möbelkombinat Eisenberg“. In Weißenborn trafen sich am 2. Mai 1952 die Gründungsmitglieder zur Wiederbelebung des Vereinssports und gründeten unter Führung von Arthur Schmidt die BSG „Traktor“ Weißenborn.

Silbitz 1971 Spielmannszug 1985 Spartakiade Eisenberg 1988

In den nachfolgenden Jahren entwickelt sich der regionale Wettkampfbetrieb sehr schnell. Zahlreiche Sportanlagen und Turnhallen wurden im folgenden Jahrzehnt geschaffen. Dabei spielte neben der staatlichen Förderung die Eigeninitiative in Form des NAW eine große Rolle (z.B. Turnhallen in Bürgel und Weißenborn). Durch die Vereine wurden auch Anlagen geschaffen, die sich heute fast „exotisch“ ausnehmen: Flutlichtskihang in Rothenstein, Sprungschanze in Ottendorf, Wintersportzentrum in Tautenhain u.a. mehr. Mehrere Sportvereine des heutigen Kreise pflegten noch in den 1950er Jahr Sportkontakte zu Vereinen der Bundesrepublik und es kam zu einem Sportaustausch anlässlich von Sportfesten und Jubiläen. Sportliche Höhepunkte im Breitensport waren zunehmend die Vorbereitung und aktive Teilnahme an den Turn- und Sportfesten in Leipzig. So wurden z.b. die Massenübungen des Übungsverbandes Frauen in allen Gymnastikgruppen eingeübt. Die Besten von ihnen waren dann bei der Sportschau aktiv dabei.

Im Kreisgebiet bildeten sich auch Leistungszentren heraus, welche sich durch ihre erfolgreiche Sportarbeit auch nationale Anerkennung verschafften. Aus der Fülle der Beispiele sollen einige exemplarisch genannt werden: In Stadtroda wirkte Anita Pester sowohl an der Schule wie auch im Verein. Ihre „Turnerschule“ brachte dann auch mit Bernd Jäger einen internationalen Spitzenturner hervor, ebenso Anett Lindner, die Mitglied der Turnnationalmannschaft wurde. Aber vielen Kindern und Jugendlichen wurde die Freude zum Sporttreiben mit auf den Weg gegeben. Eine große Ausstrahlungskraft erreichte die BSG „Motor Hermsdorf“ zwischen 1949 und 1989. In der Sportart Federball errang die BSG 5 DDR-Meistertitel und in der Leichtathletik wurden 4 Meistertitel errungen. Auch das Bogenschießen und das Turnen waren mit je einem Meistertitel erfolgreich. Besonders aber waren die Ballsportarten mit Handball und Fußball erfolgreich. Die 1. Männermannschaft der Abteilung Fußball spielte zehnmal in der DDR-Liga und die 1. Männermannschaft im Handball schaffte es zweimal in der DDR-Liga zu spielen.

Zur 40-Jahrfeier 1989 zählte die BSG „Motor Hermsdorf“ 105 Mannschaften, darunter waren 52 Mannschaften im Erwachsenenbereich, 15 Mannschaften der Altersklasen 14-18 Jahre und 38 Mannschaften der Altersklassen bis 14 Jahre. Organisiert wurde der Verein von ehrenamtlichen Helfern und Funktionären, welche sich aus 118 Übungsleitern, 50 betreuern, 32 Kampfrichtern und 38 Schiedsrichtern zusammensetzten. Mit dem Bau der Turnhalle in Weißenborn entwickelte sich der Verein schrittweise zu einer Tischtennis-Hochburg, die in den 1970-ger Jahren bei den Schüler- und Damenmannschaften bis zur nationalen Ebene vorstießen. Analoge Entwicklungen vollzogen sich im Raum Eisenberg, Kahla und Camburg u.a.m. Es besteht die dringende Notwendigkeit diese Entwicklungen aufzuarbeiten um sie vor dem Vergessen zu bewahren.

Die Kinder- und Jugendspartakiaden der DDR

Einen nachhaltigen Einkfluss auf die Sportentwicklung der Region hatte die mit dem Jahre 1965 geschaffene Spartakiadebewegung für den Kinder- und Jugendsport sowie auf längere Sicht gesehen auch auf alle anderen Bereiche. Durch die enge Zusammenarbeit von Schule und Sport und das geschaffene Wettkampfsystem auf allen Ebenen wurde den Kindern und Jugendlichen ein breites Betätigungsfeld im Sport geschaffen und durch gute Organisation und ein interessantes Rahmenprogramm wurden diese Veranstaltungen auch zu einem emotionalen Erlebnis.

Jährliche Angebote gab es in der Schule und im Kreis. Alle zwei Jahre folgten die Bezirks- und zentrale Spartakiade, wo als Höhepunkt die Besten aus den Kreisen aufeinander trafen. Spartakiade Orte im Kreis Eisenberg waren:

1965 – 1968 Jahnsportplatz in Eisenberg
1969 – 1974 Sportstätte in Silbitz
1975 – 1982 Sportstätte in Schkölen
1983 - 1990 Stadion des Friedens in Eisenberg

Dabei beteiligten sich an einem Wochenende ca. 3000 Kinder und Jugendliche in ca. 20 Sportarten an den sportlichen Wettbewerben.

Von 1966 – 1989 fanden auch 19 Kreisspartakiaden im Wintersport in Tautenhain statt. An den Endkämpfen nahmen 300 bis 400 Kinder und Jugendliche in den Wettbewerben Skilanglauf (zwei Strecken), Staffelläufe, Abfahrtslauf, Rodeln und Biathlon teil. Durch die Einwohner des Ortes wurden an solchen Wochenenden bis zu 180 Quartiere kostenlos zur Verfügung gestellt. Siegerehrungen im olympischen Zeremoniell mit Gold-, Silber- und bronzemedaillen, Auszeichnung der erfolgreichsten Sportgemeinschaften sowie die Ehrung der besten Schulen bildeten den würdigen Abschluss.

Die Sportvereine waren im DTSB der DDR organisiert und wurden durch den DTSB-Kreisvorstand geführt. Die fachliche Anleitung und Wettkampforganisation erfolgte über die Fachverbände mit ihren Kreis- und Bezirksfachausschüssen. Der Kreisvorstand des DTSB führte die Organisationsentwicklung, die Mitgliederentwicklung und die Angebote im Breiten- und Gesundheitssport. Ein gleiches galt für die Zusammenarbeit von Schulen und Sportvereinen, der Schaffung von Trainingszentren für den Nachwuchsleistungssport und natürlich der Ausgestaltung der gesamten Spartakiadebewegung. Die BSGen hatten den sowohl ideologisch als auch gesundheitspolitisch motivierten Auftrag der Verbreitung und Popularisierung des Massensports in der DDR.