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Die lange Suche nach neuen Ansätzen

Nach dem Zusammenbruch der nationalsozialistischen Machtstrukturen begannen noch 1945 engagierte Sportler des Kreises den Sportbetrieb wieder zu beleben und die Vereine zu aktivieren. Solche Ansätze sind aus Bürgel und Hermsdorf bekannt. Dieser Weg führte erst einmal in eine Sackgasse, denn die weitere Entwicklung auch im Sport wurde durch die Alliierten besatzungsmächte, hier die Sowjetische Militäradministration Thüringen (SMA), bestimmt.

Am 18. September 1945 erließ der 1. Vizepräsident des Landes Thüringen die Anweisung zur Einstellung des Sports auf Vereinsgrundlage. Es folgte am 12. Januar 1946 die Anordnung Nr. 11 der SMA Thüringen: „Genehmigung zur Ausübung des Sportes in Thüringen“, sowie die Bestätigung des vom Landesamt für Kommunalwesen vorgelegten Entwurfs zum Neuaufbau des Sports durch die SMA. Mit der am 28. Februar durchgeführten 1. Sportreferententagung in Weimar fand dieser Prozess der kommunalen Sportausrichtung und der Wiederaufnahme des Sports seinen ersten Abschluss. Die am 7. März gegründete Freie Deutsche Jugend (FDJ) erhob in Thüringen politischen Führungsanspruch über den Jugendsport.

Am 18. April erfolgte die Anordnung der SMA Thüringen zur Übernahme des bisherigen kommunalen Sportbetriebes in die FDJ. Am 8. Mai wurden die Durchführungsbestimmungen erlassen und anlässlich der Sportreferententagung als politische und leitungsorganisatorische Regelung ausgegeben. Auf dieser Grundlage entwickelten sich nun zahlreiche Aktivitäten im Kreis und auch schon wieder die ersten Wettkämpfe.

Wie in anderen Orten wurde in Bürgel 1946 zuerst unter kommunaler Verantwortung ein Sportamt gebildet. Turnen, Leichtathletik, Fußball und Schach waren die ersten Sportarten die in Bürgel wieder betrieben wurden. In Rothenstein war im Juli 1946 ein Handballspiel auf dem Sportplatz auf dem Felsen geplant, wo sich aber noch Schützengräben der sowjetischen Armee befanden. In der Chronik ist nachzulesen: „Nach dem Spiel war die Begeisterung unter der Jugend allerdings so groß, dass eine Abteilung Handball gegründet wurde. Als Vorsitzender wurde Otto Baumann gewählt. Ende 1947 hatte die Abteilung Handball bereits 58 Mitglieder. 1948 waren schon 5 Mannschaften aufgebaut und im Spielbetrieb: 2 Männer-, 1 Damen-, 1 Jugend- und 1 Schülermannschaft. Aus der Abteilung Handball wurde am 9. September 1948 die „Sportgemeinschaft rothenstein gegründet.“

Die FDJ rief in diesem Sommer zu vielfältigen Volkssporttagen in den Kommunen auf. Beim genauen Hinschauen ist aber auch festzustellen, dass die Entwicklung des Sports in diesen Jahren stark vom Einsatz erfahrener Sportler geprägt wurde. So wird in Bürgel das Wirken von Erich Stoltz hervorgehoben, in Rothenstein der Einsatz von Emil Schwabe und Otto Baumann oder in Hermsdorf von Willy Planer, Hugo Trübner und vielen anderen mehr. 1948 wurde von allen Seiten heftige Kritik am Sportbetrieb durch die FDJ geübt. Nach der Gründung des Deutschen Sportausschusses (DS) kam es zur Bildung des Landessportausschusses Thüringen. Es erfolgte die Gründung von örtlichen und betrieblichen Sportgemeinschaften, womit die unmittelbare Nachkriegsentwicklung zu ende ging. Beispiele dafür haben wir in fast allen Orten, wie z.b. in Eisenberg die BSG „Chemie Eisenberg“, die „Sportgemeinschaft Fortschritt Rothenstein“, die BSG „VEB Bürgel“ oder der Sportverein „Einigkeit Hescho Hermsdorf“.